Die Geschichte meiner Gewohnheiten

Jänner Schreibchallenge Tag 3

Der Künstler Friedensreich Hundertwasser soll einmal gesagt haben: „Die Natur kennt keine geraden Linien“. Ich denke, das gilt auch für uns Menschen. Ich kenne niemanden, der einen geraden Lebenslauf hat. Einen Lebenslauf, der ohne Umwege von A nach B führt. Das wäre auch entsetzlich langweilig.

Meine Vorstellung ist, dass die meisten Menschen durch ihr Leben mäandern wie die Moldau durch den tschechischen Wald. Mal fließt sie schnell, mal langsam, mal gleichmäßig, mal schäumt sie über Stromschnellen bis sie nach langen 440 Kilometern in die Elbe mündet.

Dieses Mäandern erfolgt aber nicht zufällig. Dafür gibt es zwei maßgebliche Ursachen. Felsbrocken, die sich dem Strom in den Weg stellen, sind die eine. Die andere liegt im Zusammenspiel der unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten des Wassers. In der Mitte ist es frei und fließt schneller als am Ufer, wo es sich an Steinen und Pflanzen reibt.

Wir können uns unser Leben, unsere Biografie wie einen mäandernden Fluss denken oder wie einen Weg durch die sanften Hügel und steilen Hänge einer Gebirgslandschaft. Vielleicht taucht vor deinem geistigen Auge auch ein ganz anderes Bild auf. Wunderbar, es ist deines.


In meinem heutigen Schreibimpuls verbinde ich die biografische Zeitleiste des Lebens mit der Gewohnheit, die ich verändern möchte.

Wenn du mitmachst, nimm dir dafür bitte 25 Minuten Zeit.
Mein Tipp: Nimm dein Handy und stell den Timer entsprechend ein. Er wird dich aufmerksam machen, wenn die Übung zu Ende ist.

  1. Zeichne deine Lebenslinie entlang der zentralen Gewohnheit, an der du arbeiten möchtest: Wie haben sich deine Essgewohnheiten entwickelt, deine Sportgewohnheiten, deine Lerngewohnheiten, deine Rauchgewohnheiten oder…. was immer dir wichtig ist.
    Geh in deinen Gedanken so weit zurück, wie deine Erinnerung reicht oder wo sie besonders stark ist. Zeichne auch wichtige Ereignisse ein, die entlang dieser Zeitleiste aufgetreten sind.
    Nimm dir dafür 10 min Zeit.
  2. Schreibe über dein Bild. Bring die Gedanken zu Papier, die dir während des Zeichnens bewusst geworden sind oder die beim Darüber-Schreiben auftauchen.
    Nimm dir dafür 10 Minuten Zeit.
  3. Abschließend markiere drei Stellen in deiner Lebenslinie, an denen du dich besonders wohl gefühlt hast und schreibe je einen Satz dazu.
    Nimm dir dafür 5 Minuten Zeit.

Lege deine Zeichnung an einen sicheren Ort, wo du sie wiederfindest. Wir werden sie für den morgigen Schreibimpuls nochmal brauchen.

Ich hoffe, diese Übung hat dir gefallen und gut getan. Wenn du magst, schreib deine Erfahrung gleich hier in den Kommentar.

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

3 Gedanken zu „Die Geschichte meiner Gewohnheiten“

  1. Wie wunderbar! Dieser Beitrag von dir hat mich an eine Übung erinnert, die ich vor ein paar Jahren gemacht hatte! Die Ressourcen-Timeline. Das Ergebnis damals war ein Bild, das ich für meinen bisherigen Lebensweg gemalt hatte. Dein Text hat mich so inspiriert, dass ich mir das Bild wieder aus meinen Schätzen herausholte, und jetzt mit Sätzen ergänzt habe. Sehr sehr schön! Danke, Susi!

  2. Liebe Karin,
    vielen Dank für dein Feedback. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Wie gut, dass du dir das Bild von damals aufgehoben hast.
    Liebe Grüße
    Susi

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