Heute zähme ich meine Monster

Jänner Schreibchallenge Tag 8

Ich weiß ja nicht, wie das bei dir ist, aber mich begleiten schon mein Leben lang kleine Monster. Die mischen sich ein, versuchen meine Ambitionen und meine Pläne zu boykottieren und mich zu verunsichern.

Ein kleiner Gnom hat ein Schild, auf dem steht: Das reicht nicht.

Die lauteste Stimme war immer die, die sagte: „Echt jetzt, das willst du jemandem zeigen. Darauf bist du vielleicht auch noch stolz. Wenn du ehrlich bist, weißt du selbst, das reicht nicht.“

„Das reicht nicht“ – das war mein Hauptmonster. Ein kleines hässliches Männchen, das da auf meiner Schulter saß und in jeder Suppe ein Haar finden konnte.

Eines Tages habe ich beschlossen, mich ihm zu stellen. Ich habe es von meiner Schulter genommen, vor mich auf den Tisch gesetzt, und dann haben wir uns ausgesprochen. Aus dem „Reich-nicht-Monster“ wurde „Reini“, was schon mal viel netter klingt. Und dann stellte sich noch heraus, dass es mich gar nicht nur boykottieren, sondern durchaus auch schützen wollte. Vor einer Peinlichkeit, vor einem Fehler. Von der Seite hatte ich mein Monster bis dahin noch nie betrachte.

Mit Reini habe ich mich ausgesöhnt. Aber da sind noch andere, und denen will ich mich auch stellen, einem nach dem anderen.

Komm, lass uns reden

Die Engländer haben ein Sprichwort: „If you can´t beat them, join them.“ Ich denke, das trifft auch auf unsere kleinen Monster zu. Wir können sie nicht schlagen, wir können uns nur mit ihnen verbünden, uns mit ihnen aussöhnen.

Wenn wir mit ihnen ins Gespräch kommen, werden wir feststellen, dass sie gar nicht nur böse sind, sondern uns durchaus auch Gutes wollen. Um das zu erkennen, müssen wir auf sie zugehen und uns mit ihnen beschäftigen.

Dafür habe ich zwei Vorschläge:

Variante a) Schreib einen Dialog zwischen dir und deinem kleinen Monster
Variante b) Schreib deinem kleinen Monster einen Brief.

Du kannst dich mit deinem kleinen Monster aussöhnen, wie ich mit Reini, oder du kannst es wegschicken, weil du es nicht mehr brauchst, weil es seine Aufgabe erfüllt hat. In jedem Fall bekommt dein Monster nur so viel Platz in deinem Leben, wie du ihm zubilligst.

Nimm dir wieder 10 min Zeit für diese Übung.

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

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