Das Ende guter Vorsätze ist der Beginn guter Gewohnheiten

Jänner Schreibchallenge Tag 1

2022 ist das Jahr, in dem ich mich von guten Vorsätzen verabschiede und an ihrer statt für gute Gewohnheiten entscheide. Das Schreiben wird mich dabei unterstützen und vieles zum Besseren verändern.

Drei Wochen lang, Tag für Tag, Wort für Wort. Bist du dabei?

#inbestergewohnheit

Seit Jahren ziehe ich zu Silvester das gleiche Ritual durch: Ich fasse eine Menge guter Vorsätze rund um meine Ernährungs- und Sportgewohnheiten. Noch während ich sie formuliere, beschleicht mich schon die leise Vorahnung, dass ich sie auch in diesem Jahr nicht einhalten werde. So kommt es dann auch – rund um den 10. Jänner. Dann fühle ich mich als Versagerin und muss mich mit ein paar Keksen und Kuchen trösten.

Ganz ehrlich, wäre da nicht der Zauber des ersten Tages in einem neuen Jahr, würde wohl niemand auf die Idee kommen, mitten zwischen Familienfeiertagen und Festtagsbraten mit großen neuen Vorsätzen zu beginnen. Das Scheitern ist vorprogrammiert – und nicht nur aus diesem Grund. Vorsätze taugen einfach nicht als Mittel der Veränderung. Mit Gewohnheiten könnte das anders sein.

Tausche gute Vorsätze gegen gute Gewohnheiten

Hätte ich meine Gewohnheiten nicht und müsste jede Entscheidung jedesmal neu treffen, würde ich mein Leben nicht bewältigen. Ich muss nicht über Vor- und Nachteile des Zähneputzens nachdenken, wenn ich morgens aufstehe, ich tu es einfach. Das ist eine gute Gewohnheit. Ich muss auch nicht darüber nachdenken, ob ich am Abend im Bett noch ein bisschen lese. Ich tu es einfach, es hilft mir zu entspannen und besser zu schlafen – noch eine gute Gewohnheit. Ich habe mir allerdings auch angewöhnt, zum Kaffe immer etwas Süßes zu essen oder am Abend vor dem Fernseher noch etwas zu snacken – und das sind weniger gute Gewohnheiten.

James Clear schreibt in seinem Buch „Atomic Habits“, zu deutsch „Die 1% Methode“, dass es die kleinen Gewohnheiten sind, die unser Leben bestimmen, weil sie sich wie Zins und Zinseszins verhalten. Führe ich also eine neue, gute Gewohnheit ein, kann die über die Jahre zu einer wichtigen Veränderung führen.

Was für ein Mensch will ich sein

Der – für mich – revolutionärste Denkansatz von James Clear ist allerdings, nicht länger resultatorientiert sondern identitätsorientiert zu denken. Das klingt im ersten Moment komplizierter als es ist. Clear macht an einem Beispiel deutlich, was er damit meint.

Nehmen wir zwei Raucher, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen. Beiden wird eine Zigarette angeboten, beide lehnen ab – allerdings mit unterschiedlicher Begründung.
Die erste Person sagt: Danke nein, ich versuche aufzuhören. (resultatorientiert)
Die zweite Person sagt: Danke, ich rauche nicht. (identitätsorientiert)  

Wie viel stärker spürt sich die Antwort der zweiten Person an. Die zweite Person hat sich für die Identität des Nichtrauchers entschieden und handelt entsprechend.

Jemand bietet ein Cupcake an.

Genauso ist es mit dem Abspecken. Angenommen jemand bietet mir etwas Süßes zum Kaffee an, und ich antworte darauf: „Danke, ich versuche abzunehmen“ – da steckt doch die Möglichkeit des Scheiterns schon drin.

Aber wenn ich sage: „Danke, ich esse nichts Süßes“ – dann ist das eine Entscheidung, eine Überzeugung.

So lange meine Identität die einer Naschkatze ist (Antwort 1), so lange wird sich nichts ändern. Sobald meine Identität aber die einer Frau ist, die auf gesunde Ernährung Wert legt, werden meine Entscheidungen anders ausfallen.

Diese neue Identität zu definieren, wird eine der wesentlichen Schreibübungen der Jänner Schreibchallenge sein.

Noch ein zweiter Aspekt ist wichtig bei der Frage der Identität: Was, wenn ich als Naschkatze mein Ziel erreicht habe, beispielsweise 10 Kilo abzunehmen, wie geht es dann weiter? Dann bin ich immer noch die Naschkatze und werde sehr wahrscheinlich in meine alten Gewohnheiten zurückfallen.

Witzige Keramikfigur einer dicklichen Frau im Badeanzug.

Mein Ziel kann also nicht länger darin bestehen, ein bestimmtes Gewicht zu erreichen.
Mein Ziel ist, eine gesundheitsbewusste Person zu werden.   

Mein Ziel kann also nicht länger darin bestehen, 10 Bahnen im Kraulstil schwimmen zu können.
Mein Ziel ist, eine Schwimmerin zu werden.

Ich entscheide, was für ein Mensch ich sein möchte, und dann beweise ich mir diese Identität mit kleinen Siegen. Zu diesen kleinen Siegen komme ich über neue Gewohnheiten.

Gewohnheiten auf den Grund gehen

Natürlich gibt es Gewohnheiten, die lassen sich recht einfach neu etablieren. Ein Beispiel: Ich trinke zu wenig. Durstgefühl kenne ich nicht. Also habe ich mir vorgenommen, immer wenn ich von einem Spaziergang mit den Hunden zurückkomme, ein Glas Wasser zu trinken. Das ist einfach, weil ich beim Heimkommen immer den Wassernapf der Hunde auffülle. Ich brauche also die Gewohnheit Wasser für die Hunde nur mit Wasser für mich selbst ergänzen. Damit erhöhe ich ganz nebenbei meinen Wasserkonsum um etwa einen Liter pro Tag.

In anderen Bereichen aber glaube ich, dass es wichtig ist nachzuspüren, warum, wann und wie sich meine Gewohnheiten und Bedürfnisse entwickelt haben.

Es gibt Bereiche im Leben, die hochgradig emotional sind. Essen ist so ein Thema. Wäre Essen nicht so emotional für uns, dann würden wir an Feiertagen nicht mit der Familie oder mit Freunden rund um den Festtagsbraten sitzen. Wer einmal in einem Fußballstadion war oder sportbegeisterte Menschen in seinem Umfeld hat, kennt die Gefühlsausbrüche bei Erfolg und Niederlage. Für viele ist sicher auch Rauchen eine emotionale Angelegenheit – und wir könnten da noch viele andere Aspekte unseres Lebens aufzählen.

Ich bin überzeugt, dass ich eher von Gewohnheiten lassen kann, wenn ich sie verstehe, wenn ich mich verstehe. Darin unterscheide ich mich wohl ein wenig von James Clear.

Worauf ich hinauswill, ist: Wenn meine Herausforderung so sehr emotional besetzt ist, kann ich sie nicht rein rational bearbeiten. Dann muss ich meinen Emotionen auf die Spur kommen, mich meinen Dämonen stellen und damit den Weg frei machen für neue Gewohnheiten und ein neues Selbstverständnis.

3 Wochen lang schreibend auf dem Weg

Heute, am 2. Jänner 2022, beginne ich damit, mich diesem Selbstverständnis schreibend anzunähern. Ich lade dich ein, diesen Weg gemeinsam mit mir zu gehen. Mal schauen, wie weit wir kommen.

Banner Schreibimpuls mit Hashtag inbestergewohnheit


Die tägliche Schreibzeit wird nicht mehr als 15 bis 20 Minuten betragen. Zu wissen, dass die Zeit begrenzt ist, macht es uns leichter, Zeit fürs Schreiben zu reservieren, und hilft uns, uns zu konzentrieren. In diesen 15 Minuten werden wir nicht zum Kühlschrank gehen, wir werden in dieser Zeit nicht telefonieren, nicht unsere Social Media Accounts prüfen oder aus dem Fenster schauen. Wir werden schreiben ohne zu unterbrechen. Wir werden unser Unbewusstes zu Wort kommen lassen und wir werden erstaunt sein, was es uns alles zu sagen hat.

Kein Anspruch auf Perfektion, nur auf Ehrlichkeit mit uns selbst

Die Texte, die auf diese Weise entstehen, haben nicht den Anspruch, einen Literaturpreis zu gewinnen. Sie dürfen holprig sein, Worte dürfen sich wiederholen oder falsch geschrieben sein. Punkt und Beistrich, egal. Auf dieser Reise gibt es kein richtig oder falsch, kein gut oder schlecht. Jedes Wort, das wir zu Papier bringen, kommt aus unserem Innersten und hat genau so, wie wir es niederschreiben, seine Berechtigung.

Diese Texte gehören nur uns selbst

Diese Texte gehören uns selbst, sind privat und das bleiben sie auch. Niemand muss seinen Text mit anderen teilen, außer er oder sie möchte das. Wenn ihr hier Kommentare hinterlasst oder auf Social Media den Hashtag #inbestergewohnheit verwendet, werden wir einander online auch leichter finden.

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Erledigt! Sie sind auf der Liste.

FUSSNOTE: Diese 30-Tage Challenge ist kein medizinisches Projekt und ersetzt bei gesundheitlichen Problemen nicht die ärztliche Behandlung.

   

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

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