Weißt du noch, wie das damals war?

Jänner Schreibchallenge Tag 5

Weißt du noch, wie der 1. Jänner in deine Kindheit gefeiert wurde? Bei uns gab´s das Neujahrskonzert im Fernsehen und gefüllte Schinkenrollen auf französischem Salat mit russischen Eiern. Unser Neujahrsessen war festlich, völkerverbindend und ein Ritual, eine Gewohnheit – unumstößlich.

Geburtstage, Hochzeiten, ja sogar Begräbnisse – alle besonders emotionalen Momente im Leben sind (zumindest in unserer Kultur) aufs Engste mit Essen verbunden. Der Festtagsbraten, die Geburtstagstorte, die Schokolade als Seelentröster – so sind wir es gewöhnt, so mögen wir das.

Nur wenn’s um gesündere Essgewohnheiten, eigentlich fast immer auch ums Abnehmen, geht, da glauben wir, wir könnten den überschüssigen Kilos unserer emotionalen Gewohnheiten rational zu Leibe rücken – mit Excel-Listen und Kalorientabellen. Das ist absurd und deshalb funktioniert es auch nur in den seltensten Fällen.

Jeder bekommt seine Kindheit über den Kopf gestülpt wie einen Eimer. Später erst zeigt sich, was darin war. Aber ein ganzes Leben lang rinnt das an uns herunter, da mag einer die Kleider oder auch Kostüme wechseln wie er will.

Heimito von Doderer

Ich denke, das ist beim Sport nicht anders. Wenn in meiner Familie Sport nur im Fernsehen statt gefunden hat, dann bin ich nicht gewöhnt, dass wir auch ins Freie und Radfahren gehen könnten.

Frau fährt Rad mit einem Kind am Socisu und einem am Kinderrad vor sich.

Wenn in einer Familie ständig Alkohol vor, zu und nach dem Essen serviert wurde, dann haben die Kinder diese Gewohnheit sehr wahrscheinlich ins Erwachsenenleben mitgenommen. Und wenn Eltern zuhause rauchen, erleben Kinder das ebenfalls als Gewohnheit und ihre Wahrscheinlichkeit, selbst zu Rauchern zu werden, ist deutlich erhöht.

Wir übernehmen Gewohnheiten oft von anderen und unbewusst.


Im heutigen Schreibimpuls schauen wir zurück und erinnern uns an die Gewohnheiten in unseren Familien. Im Mittelpunkt unserer Erinnerung steht die eine spezielle Gewohnheit, an der wir arbeiten wollen.

Erinnern mit allen Sinnen

Wie war das mit dem Essen? Wie hat es in der Küche ausgesehen, wie war der Tisch gedeckt, wer hat gekocht und gebacken, wer saß mit am Tisch? Versuche alle deine Sinne zu befragen. Wie hat es gerochen, wie hat es geklungen, wie war die Konsistenz des Bratens in Mund? Welche Gewohnheiten haben dich traurig gemacht und welche fröhlich?

Wie war das mit dem Sport? Wer hat dir Schwimmen beigebracht oder Radfahren? Wie hat es dort ausgesehen? Wie hat es gerochen? Wer war noch dabei? Wie hast du dich gefühlt? Hast du an Bewerben teilgenommen? Wie seid ihr mit Siegen und Niederlagen umgegangen? War sporteln bei euch eine Selbstverständlichkeit, eine Gewohnheit?

Welche Gewohnheiten gab es in deiner Familie? Beeinflussen sie dich bis heute? Sind sie gut oder können sie weg?
Nimm dir für diesen Schreibimpuls 15 min Zeit

Ein Gedicht zum Dessert

Eine meiner Lieblingsspielereien mit Worten ist, Gedichte umzudeuten. Vielleicht kannst du eines auswendig, oder magst eines nachschlagen und nach deinen Gewohnheiten verändern. Nur so zum Spaß.

Als Beispiel hier meine versüßte Neufassung des Zauberlehrlings:

Hat der alte Küchenmeister 
Sich doch einmal wegbegeben! 
Und nun sollen seine Geister 
mal nach meinem Gusto leben. 
Seine Wort‘ und Werke 
Meine Seel´und Bauch, 
Und mit Zuckerstärke 
Koch ich Schoko auch.

Der gute alte Goethe hätte wahrscheinlich eine Variante mit Wein mehr geschätzt, aber er wird mir´s verzeihen.

Wird verarbeitet …
Erledigt! Sie sind auf der Liste.

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

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