Deshalb habe ich mich entschlossen zu bloggen

Frau sitzt am Laptop und schreibt. Sie trägt einen goldgelben Pullover. Ihr Gesicht ist nicht sichtbar

Foto: Christin Hume/unsplash


Mit Blogs ist es wie mit Podcasts: In den Anfängen von Web 2.0 waren sie ein absolutes Must Have für alle im Online Business. Doch dann kamen Social Media. Wie viel schneller ließ sich ein Post oder ein Tweet absetzen.

Kaum jemand hat sich noch die Mühe gemacht, einen langen Artikel auszuformulieren. Doch je mehr die Schattenseiten dieser Schreib(un)Kultur zu Tage treten, umso mehr Menschen kommunizieren wieder über Blogs und Podcasts. Ich habe mich für einen Blog entschieden und hier sind meine Gründe dafür.

Mein Blog ist mein Sammelalbum

Hunderte Notizbücher habe ich in meinem Leben schon vollgeschrieben. Tagebücher, Bücher mit Morgenseiten, Bücher von Schreibseminaren, Fachartikel, Romanentwürfe und journalistische Notizen. Sie alle liegen fein gestapelt in dekorativen Schachteln im Regal über meinem Schreibtisch. Analoge Unterlagen, ich komme ja auch aus der analogen Zeit. Nur bitte, fragt mich niemals, wo ich mir was aufgeschrieben habe. Ich müsste stundenlang danach suchen.

Gleichzeitig ist da die digitale Welt mit den vielen Social Media-Plattformen, auf denen ich mal mehr mal weniger poste und tweete. Dort ist alles wunderbar gesammelt. Das Internet vergisst ja bekanntlich nichts. Außer Mister Zuckerberg verändert den Algorithmus oder führt eine andere Spielerei ein – whoosh, schon ist alles weg oder zumindest unauffindbar. Das kann er, ist ja sein Produkt und nicht meins. Und genau, das gefällt mir nicht. Ich will mich keinem SiliconValley Giganten ausliefern.

Mit meinem Blog ist das anders: Mein Blog gehört mir. Hier kann ich schreiben und bleiben. Hier kann ich mir eine endlose Sammlung an Gedanken rund ums Schreiben anlegen. Für mich als Erinnerung, als Denkanstoß, als Inspiration – und für alle, die meine Blogbeiträge lesen und vielleicht das eine oder andere Mal kommentieren. Mit der Dauer dieses Blogs lässt sich hoffentlich auch eine Entwicklung ablesen. Eine Entwicklung zu einem immer besseren, immer gehaltvolleren, immer merk-würdigerem Schreiben, merk-würdig – genau so meine ich das. Hab ich schon erwähnt, dass ich Wortspiele liebe?

Mein Blog fordert mich heraus

Ein einmal eingerichteter Blog möchte gefüttert werden – mit immer neuen, lesenswerten Texten. Ich kann doch keinen Blog beginnen und dann nur alle heiligen Zeiten einen Beitrag abliefern – zu Ostern, zu Pfingsten und zu Weihnachten.

Wenn ich einen Blog anfange, dann ziehe ich das auch durch. Ein Blogbeitrag pro Woche, das ist ein schönes Ziel – nicht wahr? Alle Texte in diesem Blog werden sich ums Schreiben drehen und zeigen, was alles dazu gehört und wie kreativ wir damit sein können. Und glaubt mir: Jede/r von uns kann schreiben. Da sind nur die alten Glaubenssätze aus der Schulzeit, von Eltern oder Freunden – unbedacht dahingesagt, aber ein Stachel im Fleisch. Diesen Stachel möchte ich gerne ziehen, damit die Wunde heilen kann und ihr mit Freude den Stift in die Hand nehmt oder auf die Tastatur klopft.

Übrigens führe ich noch einen zweiten Blog, bei dem sich alles um meine Hunde dreht – um Labrador-Retriever, um die Dummyarbeit und die Jagd. Wenn ihr mal reinschauen wollt: labradors-vom-rottalmoos.com

Wer meinen Blog liest, kann sich leichter entscheiden, ob er/sie mit mit arbeiten möchte

Mein Blog ist als sehr persönliche Textsammlung angelegt. Bei Judith Peters habe ich den Begriff der dynamischen Bloggerin gelernt. Eine dynamische Bloggerin ist frei in ihrer Textgestaltung. Mal ist es eine kurze Anekdote, mal eine lange Abhandlung zu einem Fachthema, mal sind es nur Fotos und mal eine lange Liste zu einem bestimmen Thema. Schreiben ist Vielfalt. Leben ist Vielfalt. Schreiben ist wie das Leben.

Es soll ja Leute geben, für die ist Schreiben das Leben – aber das ginge mir ein bisschen zu weit. Da sind noch so viele andere wichtige Themen wie Familie, Freunde, Hunde, Wandern, und und und – und natürlich ist jedes dieser Themen Inspiration zum Schreiben.

Wenn du meine Blogartikel liest, lernst du mich mit jeder Zeile ein bisschen näher kennen und kannst besser für dich entscheiden, ob du mir vertraust und mit mir arbeiten möchtest oder ob du dich bei einer anderen Schreibtrainerin besser aufgehoben fühlst. Ich persönlich bin auch in diesem Punkt eher dynamisch und besuche Workshops und Seminare bei unterschiedlichen SchreibtrainerInnen. Jede/r hat einen anderen Blickpunkt, setzt die Schwerpunkte ein bisschen anders und bereichert auf seine Weise mein Schreiben.

Durch Bloggen vergrößert sich meine Welt

Musiker wissen das, Sportler auch – wenn ich richtig gut werden will, in dem was ich tu, dann muss ich üben, üben, üben. Musiker, selbst wenn sie schon auf Top-Niveau Solokonzerte geben, üben Tag für Tag stundenlang. Sportler, die Rennen gewinnen und immer wieder am Treppchen stehen, die tun das, weil sie trainieren, trainieren, trainieren. Übung macht den Meister, hat man früher gesagt – in den alten Zeiten. Und da ist was dran. Je mehr wir schreiben, umso besser werden wir. Umso größer wird unser aktiver Wortschatz, umso leichter fließen treffende Formulierungen, umso mehr finden wir zu unserer ganz persönlichen Sprache und damit zu uns selbst.

„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.“

Ludwig Wittgenstein

Diese Grenzen immer weiter auszudehnen, das ist doch ein schönes Ziel.

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

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