Was ist Freewriting?

woman wearing hoodie while writing

Hinsetzen und losschreiben – so einfach ist Freewriting. Die wenigen Grundregeln erkläre ich dir in diesem Blogpost. Probier´s einfach aus. Du wirst begeistert sein.

Ziel des Freewritings ist, dein Unterbewusstsein für dich arbeiten zu lassen. Du brauchst dafür nicht mehr als ein Notizbuch oder einige Blatt Papier und einen Stift, mit dem du gerne schreibst. Hilfreich ist auch ein Wecker (die Uhr am Handy tut´s auch).

Wichtig ist, dass du den Stift nicht vom Blatt nimmst und ohne Unterbrechung immer weiterschreibst.

Als erstes überlegst du dir, wieviel Zeit du dir für dein Freewriting nehmen möchtest und stellst die Zeit am Wecker oder Handy ein. Ich empfehle dir mindestens 7 bis maximal 15 Minuten. Dann setzt du dich an einen Tisch oder aufs Sofa und beginnst zu schreiben. Einfach so, ohne nachzudenken.

Was immer dir in den Sinn kommt, schreibst du auf. Und wenn es am Anfang „Ich weiß nicht, was ich schreiben soll“ ist, dann schreibst du eben genau das. Wenn nötig auch zwei oder dreimal. Nicht nachdenken, einfach schreiben. Die Gedanken kommen schon, vertrau deinem Stift.

Der Clou am ununterbrochenen Schreiben ist nämlich, dass du dabei nicht über bereits Geschriebenes reflektieren kannst. Du sollst nicht nachdenken, denn das würde deinen assoziativen Schreibfluss unterbrechen. Du hörst also nicht auf zu schreiben, weil du in der Zeile davor einen Rechtschreibfehler entdeckt hast – das ist vollkommen egal. Den lässt du einfach stehen. Niemand wird ihn je zu Gesicht bekommen.

Alles, worum es geht, ist, dass du schreibst. Es müssen auch keine vollständigen Sätze sein. Manchmal sind es nur Fragmente oder einzelne Worte. Auch gut. Alles kommt, wie es kommen will. Alles kann, nichts muss.

Du bewertest auch keine deiner Formulierungen. Kein Gedanke ist zu „dumm“, um aufgeschrieben zu werden. Ganz im Gegenteil: Jedes Wort, das auftaucht, taucht auf, weil es da ist und geschrieben werden möchte. Jedes Wort hat seine Berechtigung, so wie dein Unterbewusstsein es deinem Stift diktiert.

Wenn du dich darauf einlässt, wirst du sehr bald spüren, wie deine Gedanken zu fließen beginnen. Deine Hand wird plötzlich Sätze schreiben, von denen du nicht einmal geahnt hast, dass sie in dir sind.

Do´s beim Freewriting

  • schreibe ohne Unterbrechung
  • schreib mit der Hand
  • lasse jeden Gedanken zu
  • schicke deinen inneren Zensor auf Urlaub
  • begrenze die Zeit

Don´ts beim Freewriting

  • denk nicht nach
  • bessere keine Fehler aus
  • streiche nichts durch
  • verbiete dir nichts

Das Ende der Freewriting Session ist gekommen, wenn der Wecker läutet. Dann führst du den letzten Satz noch zu Ende und klappst dein Notizbuch zu oder steckst deinen Stift weg. Für diese Limitierung der Zeit sprechen aus meiner Sicht zwei Gründe: Erstens schreibt man konzentrierter, wenn man weiß, dass die Zeit begrenzt ist. Zweitens ist man geschützt davor in einen negativen Gedankenstrudel reinzurutschen. Dafür braucht es nämlich mehr Zeit.

Fokussiert oder nicht

Auch wenn ich bisher gesagt habe, dass du einfach nur drauf los schreiben brauchst, gibt es dafür doch zwei Möglichkeiten: das fokussierte und das offene, unfokussierte Drauflosschreiben aka Freewriting.

Beim offenen, unfokussierten Freewriting schreibst du einfach, was dir in den Sinn kommt. Auch wenn dir die Gedanken völlig sinnlos und chaotisch erscheinen. Kein Grund aufzuhören. Es hat schon einen tieferen Sinn, warum dir diese Gedanken genau jetzt kommen. Verlass dich drauf.

Beim fokussierten Freewriting dagegen beschäftigt du dich mit einem bestimmen Ausgangsthema, lässt den Gedanken aber genauso freien Lauf wie beim offenen Freewriting. Du wirst dich wundern, wohin dich deine Gedanken und dein Stift führen.

Grundsätzlich gelten für fokussiertes und unfokussiertes Freewriting aber die gleichen, oben bereits beschriebenen Regeln.

Geh nie ohne Papier und Stift aus dem Haus

Es gibt so viele Gelegenheiten im Alltag, die wir für Freewriting nützen können. Anstatt 10 Minuten mit dem Checken von Facebook oder Instagram am Handy totzuschlagen, können wir kurze Gedankensplitter notieren:

  • Beim Warten auf den Bus (Schreibimpuls: Warten macht mich rasend. Das kommt wohl daher, dass…..)
  • Im Kaffehaus, wenn die Freundin noch nicht da ist (Schreibimpuls: Wenn ich mich hier so umsehe, dann….)
  • wenn wir beim Spazierengehen eine kurze Rast einlegen (Schreibimpuls: Was würden mir meine Füße sagen, könnten sie sprechen?)
  • während das Auto in der Waschstraße steht (Schreibimpuls: Lassen wir´s bei außen hui, innen pfui – oder kümmere ich mich auch ums Innere?)
  • und und und

Ich habe immer ein kleines Notizbuch eingesteckt, das ich bei jeder Gelegenheit zur Hand nehmen kann. Auch wenn ich diese Texte nie wieder lesen werde, mag ich sie doch gesammelt haben. Lose Blätter sind nicht mein Ding. Ich habe eben einen Faible für schöne Papeterie. Ist einfach so.

Wie Freewriting für dich funktioniert, kannst nur du selbst herausfinden. Experimentiere ein bisschen mit den Tageszeiten, den Gelegenheiten und der Dauer, die für dich richtig sind. Es wird nicht lange dauern, und du wirst deinen Weg gefunden oder dir erschrieben haben.

Ich wünsche dir viel Freude daran.

Alle zwei Wochen gibts meinen Newsletter, in dem ich über Schreiben im Allgemeinen und meine Schreibworkshops erzähle. Du kannst ihn gleich hier abonnieren.

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

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