Wie läuft ein Schreibworkshop eigentlich ab?

Du interessierst dich für einen Scheibworkshop oder einen Schreibtreff? Bevor du dich anmeldest, möchtest du aber wissen, wie so etwas genau abläuft? Hier findest du Antworten auf deine Fragen.

Welche Themen gibt es bei Schreibtreffs oder Schreibworkshops?

Ein Schreibtreff, -workshop oder -seminar ist immer klar auf ein Thema ausgerichtet. Du wirst Seminare und Workshops finden, in denen du lernst, eine Kurzgeschichte oder einen Roman zu schreiben, also literarisch zu arbeiten. In anderen Workshops liegt der Schwerpunkt mehr auf psychologischen Aspekten, dem Umgang mit Abschieden oder mit Neuanfängen (wie zum Beispiel bei OMAMIA).

Die KursleiterInnen erklären das Ziel in der Ausschreibung sehr genau. Schließlich ist es für den Erfolg des Workshops oder Seminars entscheidend, dass sich Menschen mit dem gleichen Interesse treffen.

Wie viele Personen sind in einer Schreibtreff- oder Schreibworkshop-Gruppe?

Die Größe der Gruppe variiert meiner Erfahrung nach zwischen mindestens 4 und maximal 25 Teilnehmern. Beide Varianten können sehr gut funktionieren. Sehr große Gruppen kenne ich vor allem aus Online-Seminaren. Es liegt am Geschick der Gruppenleitung dafür zu sorgen, dass auch bei größeren Runden jede/r TeilnehmerIn den ihm/ihr zustehenden Raum bekommt.

Wie lange dauert ein Schreibtreff oder Schreibworkshop?

Die Dauer des Schreibtreffs, Workshops oder Seminars ist abhängig von der Aufgabenstellung. Sie reicht von 1,5 Stunden bis zu einer Woche, manche Kurse erstrecken sich über ein Jahr.
Die sehr kurzen Einheiten bewähren sich insbesondere bei Online-Veranstaltungen oder wenn die Themenstellung sehr eng gefasst ist. Wenn es um den Aufbau eines Romanes geht, wird das Seminar sicher mehrere Tage in Anspruch nehmen – wunderbar, wenn du dir diese Zeit schenken und in eine völlig fremde Welt eintauchen kannst.

Was ist der Unterschied zwischen Schreibtreff, Schreibworkshop oder Schreibseminar?

Die Bezeichnungen sind nicht einheitlich, das ist ein bisschen verwirrend. Ich verwende den Ausdruck Schreibtreff für eine kurze Einheit von ein bis zwei Stunden. Dauert die Veranstaltung einen ganzen Tag oder vielleicht zwei, dann spreche ich von einem Workshop. Als Seminar bezeichne ich längere Einheiten, die auch eine Art Ausbildung beinhalten.
In einem Seminar über „Dialog-Schreiben“ kannst du erwarten, dass du dadurch bessere Dialoge in deinen Roman oder deine Kurzgeschichte einweben kannst. Bei einem abendlichen Einheit von 1 bis zwei Stunden wird es eher um meine persönliche Entwicklung gehen, beispielsweise Antwort auf eine ganz konkrete Antwort zu finden.
Das sind meine Zuschreibungen. Andere TrainerInnen mögen das anders sehen – aber in etwa wird es so hinkommen.

Brauche ich Vorkenntnisse, um teilzunehmen zu können?

In den allermeisten Fällen ist Interesse am Schreiben eine wunderbare Grundlage und absolut ausreichend. Eine spezielle Ausbildung ist sicher nicht nötig. Ganz sicher jedenfalls nicht bei Schreibtreffs und Schreibworkshops, die der Selbsterfahrung dienen.

Bei literarischen Workshops und Seminaren kann es vorkommen, dass du vor der Anmeldung eine Textprobe einsenden musst – und davor brauchst du keine Scheu zu haben. Zum einen wird niemand anderer als der/die LehrgangsleiterIn deinen Text sehen, zum anderen kann er/sie damit sicherstellen, dass alle Teilnehmer in all ihrer Individualität gut zusammenpassen.

Wie läuft ein Schreibtreff oder -workshop ab?

Ein Schreibtreff oder Workshop ist ein Wechselspiel von Zeiten fürs Schreiben, Zeiten fürs Reflektieren und Zeiten fürs Feedbackgeben. In Seminaren kommen noch Blöcke mit Theorie dazu.

Wichtig ist, dass die Zeit für alle diese Einheiten fast immer knapp bemessen ist. Die meisten Schreibeinheiten dauern zwischen 7 und 15 Minuten. Dafür gibt es zwei Gründe: erstens ist man stärker fokussiert beim Schreiben, wenn man weiß, dass man nicht endlos Zeit hat, und zweitens ist ganz klar, dass niemand in 15 Minuten einen druckreifen Text schreiben kann. Niemand, auch kein Profi. Also muss man sich beim Vorlesen auch nicht fürchten, wenn Wortwiederholungen vorkommen oder ein Satz mitten im Fluss abreißt. Damit ein Text richtig gut wird, kannst du ihn zuhause überarbeiten und überarbeiten und überarbeiten. Hemingway hat seine Texte angeblich 40 Mal überarbeitet. So viel dazu 🙂

Muss ich meine Texte vorlesen?

Du wirst eingeladen werden, deine Texte vorzulesen, aber du musst nicht. Es ist absolut deine Entscheidung, da musst du dir keine Sorgen machen. Meist ist es so, dass es in jeder Gruppe ein paar Menschen gibt, die gerne vorlesen. Sie brechen das Eis. Andere, eher zurückhaltende TeilnehmerInnen, erleben auf diese Weise, wie bereichernd und befreiend es sein kann vorzulesen und entscheiden sich nach anfänglicher Skepsis doch dafür – und wieder andere wollen es nie. Alles ist gut, alles darf sein.

Vorlesen und Zuhören – das ist auf gewisse Weise genau so spannend wie das Schreiben selbst. Auch dabei kann man sehr viel über sich selbst lernen.

Werden die Texte in der Gruppe kritisiert?

Feedback geben und bekommen ist ein wichtiger Bestandteil von Schreibtreffs, – workshops und -seminaren. Ich weiß aber auch, dass genau dieser Punkt viele davon abhält, in eine Schreibgruppe zu kommen. Die Angst vor Kritik ist zu groß. Der Grund dafür ist, dass wir in unserer Gesellschaft mit Kritik sehr oft sehr falsch umgehen, sie kränkend und verletzend einsetzen. Genau das passiert in Schreibtreffs und-workshops NICHT.

In Schreibrunden sind wir uns bewusst, wie persönlich und wertvoll jedes Wort ist, das jemand verfasst hat. Niemand darf darauf herumtrampeln, im Gegenteil: Jedes Wort ist zu würdigen und jedem Satz ist Respekt zu zollen. Er ist Ausdruck deines Selbst, und deshalb richtig genau so wie er ist (Mehr dazu unter Du kannst schreiben. Punkt.)

Ein Schreibtreff oder -workshop ist ein geschützter Raum, in dem es klare Regeln für Feedback gibt. Als Feedbackgeber beantworten wir Fragen wie: Was hat mir an deinem Text besonders gut gefallen? Welche Formulierung hat mich gefesselt? Welche Figur hat mich besonders angesprochen? Worüber möchte ich gerne mehr wissen? Die Antworten darauf helfen dir zu erkennen, wie andere – mit ihren eigenen Landkarte im Kopf – deine Worte verstehen – und das kann wiederum dir weiterhelfen.

Feedback in Schreibrunden ist stärkend und unterstützend. So wollen wir das – könnte man eigentlich auch gut in andere Bereiche des Lebens übernehmen.

Reicht es, wenn ich einmal in einen Schreibtreff oder Schreibworkshop komme oder muss ich dann einen ganzen Kurs besuchen?

Tja, das kommt ganz darauf an. Manche Kurse sind aufbauend, da lässt sich das Thema des dritten Abends nicht gut bearbeiten, wenn dir der erste fehlt. Bei anderen Schreibtreffs kommt man einmal dazu, ein anderes mal nicht und das passt auch. Klare Informationen dazu findest du sicher in der Ausschreibung.

In jedem Fall aber wird es gut sein, wenn du dich anmeldest. So kann die Schreibleitung besser planen und du weißt sicher, ob ein Platz für dich reserviert ist.

Wie viel kostet ein Schreibtreff oder Schreibworkshop?

Die meisten Ein-Abend-Schreibtreffs kosten pro Einheit in etwa 25 bis 35 Euro; Wochenendworkshops kommen auf etwa 350 bis 450 Euro. Bei Seminaren, die eine ganze Woche dauern musst du mit 500 Euro aufwärts rechnen. Aber das ist nur eine Richtschnur, die ich aus meiner Erfahrung niederschreibe. Die Preisgestaltung liegt ganz beim/bei der AnbieterIn.

Wer leitet einen Schreibtreff oder Schreibworkshop?

Die Leitung von Schreibworkshops und -seminaren ist an keine klassische Ausbildung gebunden. Beim literarischen Schreiben findest du sehr oft RomanautorInnen und LyrikerInnen, die ihr Wissen und ihre Erfahrung gerne weitergeben. Bei Schreibtreffs und Workshops, die der Persönlichkeitsentwicklung und Selbstwirksamkeit dienen, sind die TrainerInnen meist in den Bereichen Kommunikation und Psychologie ausgebildet. In meinem Fall ist es eine Kombination aus beidem: Kommunikationswissenschaft und Ausbildung zur Psychodrama-Schreibtrainerin.

Wenn du noch Fragen hast, dann…

… schreib sie doch einfach hier in die Kommentare. Auch wenn du andere Erfahrungen gemacht hast, nehme ich das gerne auf. So kann dieser Blogpost eine Art Wiki für Schreibtreffs und Schreibworkshops werden.

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

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